STUFF: Juni 2004  
















!MARCS young electronic magazine lebt von eurer Unterstützung! Schreibt uns eure Ideen und Gedanken! Schreibt uns eure Kritik und empfehlt uns weiter!

Eure !MARCS Redaktion
SONSTIGE: DER IRAK-KRIEG AN DER HEIMATFRONT eye-witness: 2004-05-30

Druckversion
XXL-Version

Die Vereinigten Staaten befinden sich im Krieg. Aber nicht nur im Irak ist die Situation angespannt, auch an der Front im Heimatland brodelt es. Täglich flimmern neue, grausame Bilder über die Fernseh-Mattscheiben der 300 Millionen Amerikaner und ein Ende des Schreckens ist nach Meinung vieler noch lange nicht in Sicht.


Nach den Folterberichten der vergangenen Wochen ist das ganze Land in zwei Hälften gespalten. Patriotismus, Angst, Nationalstolz und Kriegsablehnung haben eine Stimmung in den USA zusammengebraut, die undurchschaubar und nur schwer zu bewerten ist.

Nachdem die Irak-Krise auf der Bühne der großen Politik schon seit Wochen zu einem der brisantesten Wahlkampfthemen gehört (in sechs Monaten finden die US-Präsidentschaftswahlen statt), wird nun auch in eher konservativen Familien und Bildungsstätten ganz offen darüber diskutiert.

Die US-Soldaten im Irak seien teilweise "einfach nur müde vom Krieg", sagte mir ein junger US-Militärangehöriger vor wenigen Tagen während eines Informationsbesuches an meiner Schule. Er war als Reservist genau ein Jahr lang im Irak stationiert und dort in einer Versorgungseinheit für die Wasseraufbereitung zuständig. Um Militärs wie ihm ein wenig aufzumuntern, entschied mein Geschichtskurs schon vor Monaten, einen Kameraden im Irak zu unterstützen. "We adopt a soldier" ("Wir adoptieren einen Soldaten") heißt das landesweite Programm von engagierten Schulklassen. Batterien, Süßigkeiten, Duschgel, ironischer Weise Kamerafilme sowie andere tägliche Utensilien wurden vom Geschichtslehrer eingesammelt, verpackt und dann über den großen Teich geschickt.

Die Schuld am schrecklichen Tode von Nick Berg, dem im Irak vor laufender Videokamera der Kopf abgeschnitten wurde, schieben eine ganze Reihe Lehrender und Lernender an meiner High School im Mittleren Westen unterdessen den amerikanischen Zeitungen, Fernsehsendern und Magazinen in die Schuhe. Hätten diese den Folterverdacht an irakischen Gefangenen kleingehalten, erklärte ein Sozialkunde-Lehrer im Unterricht, wäre es wahrscheinlich nicht zur Ermordung des jungen Mannes gekommen. "Die Bush-Regierung sollte in Kriegszeiten die Medien kontrollieren und zensieren können", forderte ein Zehntklässler in einer aktuellen Diskussionsrunde unter Schülern und bekam reichlich Zustimmung. Dass die amerikanischen Medienkonzerne bei der öffentlichen Meinungsbildung nicht allzu sehr behilflich seien, glaubt auch der genannte Wasserspezialist aus Ohio: "Alles wird sensationalisiert. Ich lese von Folter, Ermordungen und Angriffen, aber über unsere Hilfsprogramme steht gar nichts in der Zeitung."

Nicht alle US-Bürger teilen diese Auffassung. Vielmehr scheint es sogar, dass die vermeintliche Fassade totaler Einigkeit für Präsident Bush und sein Kabinett – und damit auch der symbolische Rückhalt für die eigenen Truppen – erheblich zu bröckeln beginnt. Viele Leute schweigen nicht mehr ruhig vor sich hin: "Der Alleingang ohne die Vereinten Nationen war ein riesiger Fehler", flüsterte mir während einer Essenspause vor zwei Wochen ein anderer Lehrer mit vorgehaltener Hand zu. Sein Vater hätte im Zweiten Weltkrieg gegen das Nazi-Regime in Deutschland gekämpft, sei aber ebenfalls gegen den Kurs der jetzigen Regierung: "Wir haben diesen Krieg eigentlich schon verloren."

Gastartikel von unserem Partnermagazin "net-thinkers" www.net-thinkers.de


Weitere Artikel von eye-witness


JAM | STUFF | NUTS
home | this month | guestbook | forum | archive | search
impressum | links | shop
 
ARCHIVE: ARTIKEL VON EYE-WITNESS
REPORTAGE
REISEREPORTAGE KANADA & USA: DIE NIAGARAFäLLE

Ein weißer Nebelschleier umhüllt das grüne Hinweißschild, dem sich unser Minibus langsam nähert. Die ersten Buchstaben schimmern durch den milchig-trüben Wasserdampf: "N-I-A-G-A-R-A". Wir sind irgendwo auf dem Highway 62 im Nordosten der USA und fast an unserem Ziel: Den Niagarafällen.

 

© 1997 - 2024
!MARCS

electronic magazine

driven by
IBM RS/6000
and apache

Mit ICRA
gekenn-
zeichnet