NUTS: Mai 2004  
















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SONSTIGE: KLISCHEES lookout: 2004-04-18

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Europa wächst im Mai noch mehr zusammen. Mehr Sicherheit, mehr Stärke, und vor allem mehr Nähe zueinander? Wird es eine Annäherung zwischen den westlichen (stabileren) Staaten und den östlichen Beitrittsländern geben? Welche Probleme kommen auf die EU zu? Fragen über Fragen.


Fakt aber ist, dass durch die Union Europa nach vorne gebracht wurde – und auch stärker zusammen. Europa hält nun immer und überall zusammen – jedenfalls oben, bei den Staatsvertretern. Ein Händedruck zwischen den Präsidenten und ein und freundlicher Blick durch die Kamera in die Welt nach draußen. Friede, Freude, Eierkuchen. Auf die Freundschaft!

Wie sieht es aber mit den einzelnen Bürgern, Völkern, Einwohnern, Staatsangehörigen, Europäern ... aus? Und bei den Kindern und Jugendlichen, den Erwachsenen von morgen, die sich in 10 Jahren um die Zukunft Europas und der Welt allgemein kümmern müssen?

Ein aufmerksamer Blick nach draußen gibt Aufklärung:

"Ach, die Franzosen sollen mit ihrem scheiß Seusel- Schleim - Weichei Akzent in ihrer gelobten Heimat bleiben, weiter Rotwein saufen und Baguettes in sich reinstopfen! Das sind doch alle solche introvertierten Liebesmacker..."



So viel zur deutsch französischen Freundschaft. Klischees bleiben, auch wenn das Verhältnis zwischen den beiden Nachbarländern auf alle Fälle sich verbessert hat.



Die Engländer kommen auch nicht besser weg: "Ein Haufen Kinder, die alle wie die Eltern rote Haare, Sommersprossen, blasse Gesichter haben, knallbunte Sachen von vor 20 Jahren tragen und den ganzen Tag nur ekeliges Zeug essen: früh Bohnen und Speck, dann fish&chips und dann noch diese beknackte tee-time am Nachmittag – vollkommen durchgeknallt, dieses Volk". Nun gut. Und was ist mit den Spaniern, Italienern oder Griechen im Süden?



"Gut Urlaub machen lässt es sich da unten schon und das Essen ist auch lecker, aber sobald die arroganten Weiber und die schleimigen Typen auftauchen, kann man die Ruhe vergessen. Reden tun die – den ganzen Tag lang und dann noch so laut und schnell – das hält doch kein Mensch aus. Und rauchen tun sie auch von früh bis spät, selbst auf ihren bescheuerten Mopeds, die einem fast das Trommelfell zerplatzen lassen. Und von Sauberkeit und Ordnung scheinen die da unten auch noch nix gehört haben..."

Okay, lassen wir das. Auch wenn viele Deutschen dieser Ansicht sind, ist die Gegend im Mittelmeerraum ziemlich reizvoll für einen Traumurlaub unter der glühenden Sonne und azurblauem Himmel, dazu noch Palmen, Strand und Meer und die bösen Worte sind vergessen. Und nicht nur die.



Denn schließlich hat Europa auch noch einen Norden, der mindestens genauso reizvoll ist, doch bei all dem Sommerglück an der Mittelmeerküste wird die Heimat der blonden, sommersprossigen Europäern völlig ignoriert – willkommen in Skandinavien, wo wir schon wieder bei den Klischees wären über Nilsson, Anderson, Frisholm: "Da oben ist doch nix los. Das sind alles solche Naturtypen, die sich nur für ihre Fahrräder und Seen interessieren und nur dann den Fernseher in ihren bunten Holzhütten anschalten, wenn was von Astrid Lindgren gezeigt wird. Action ist doch für die ein Fremdwort. Haben die überhaupt Elektrizität?"

Nachdem nun Jean-Pierre & Mathilde, William & Katie, Francesca & Alessandro und Ole & Mette ihr Fett abgekriegt haben, bleibt ja nur noch der Osten, über den die Deutschen lästern können:



"Ach, alles Kommunisten und zwielichtige Gestalten dort drüben, die leben doch in völliger Armut und wollen ab Mai dann unser Geld. Na, das wird es aber nicht geben. Die sollen mal ihren Wodka alleine weiter saufen und aufpassen, dass sie nicht so viele Kinder in die Welt setzen. Und die slawischen Sprachen versteht sowieso kein Mensch."

Okay, Olga, Igor und ihr anderen, ihr wisst, dass wir Deutschen es nicht so meinen, denn schließlich wissen wir, dass Klischees viel zu übertrieben und verallgemeinert Meinungen der Bevölkerungen wiederspiegeln, die aus Klatsch & Tratsch entstanden sind. Auch wenn etwas Wahres dran ist, sollte man dennoch vorsichtig sein, Vorurteile zu äußern, denn die Antwort lässt nicht lange auf sich warten.

Ein Aufmerksamer Blick nach draußen gibt Aufklärung:



"Die Deutschen sind doch ein unfreundliches und kompliziertes Volk, ständig in Eile, immer gestresst und arbeiten tun sich sie auch Tag und Nacht. Ruhe und Entspannung sind für die Fremdwörter. Aber bei einem Bier und einer fettigen Bratwurst werden sie dann lustig und suchen Gesellschaft, obwohl sie auch viel zu egoistisch sind. Die leben doch nur um zu arbeiten. Immer die Besten wollen sie sein. Ja, so was sieht man gern!"

Auf die europäische Verständigung! Gut, dass es Freunde gibt!

Gastartikel von unserem Partnermagazin "net-thinkers" www.net-thinkers.de


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