JAM: Februar 2004  
















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BUCHTIPP: BUCHTIPPS 2004 lookout: 2004-01-18

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Drei Bücher, die ich euch für das Jahr 2004 empfehle: Über die Begegnung zweier junger Männer im Zug, über das Leben eines 16-jährigen im Knast und über das scheinbar Unmögliche, was Klonen betrifft... viel Spaß beim Schmökern!


Benjamin Lebert: "Der Vogel ist ein Rabe"
Kiepenheuer & Witsch Verlag, 128 Seiten, 9.90€

Nach dem Erfolg seines Erstromans "Crazy", der in 33 Sprachen übersetzt wurde und mit Robert Stadlober in der Hauptrolle fürs Kino verfilmt wurde, hat der Jungautor (Jahrgang 1982) nach 5 Jahren sein zweites Buch veröffentlicht - "Der Vogel ist ein Rabe". Ein Erfolg wie "Crazy" ist es nicht, trotzdem kann man es auch als "kleines Meisterwerk" bezeichnen.

Der Vogel heißt Henry und ist 18 Jahre alt. Er ist ein Rabe, weil er so schwarze Haare hat. Paul, der Ich-Erzähler, sieht das jedenfalls so. Er befindet sich im Zug von München nach Berlin. Schon am Anfang des Buches spricht er davon, dass er kein großer Erzähler ist. Er schweigt lieber. Henry hingegen, mit dem er sich ein Schlafwagenabteil teilt, redet. Und das die ganze Nacht bis nach Berlin. 8 Stunden. Paul hört seiner Geschichte zu und sagt ab und zu seine Meinung. Es sind Storys über die Liebe, über das Leben in München und Berlin, über die Zukunft, über neue und alte Freunde und über den Sinn des Lebens. Philosophische Anwandlungen junger Erwachsener, die aber keinesfalls langweilig sind.

Kurz vor Berlin holen Paul, den Schweiger, Erinnerungen ein. Seine Sehnsucht ist mit ihm zu weitgegangen. Und erst jetzt wird ihm bewusst, was ihn erwarten wird. Henry weiß nichts von Pauls Leben und auch der Leser erfährt nur Unwesentliches, Gedankenfetzen. Am Bahnhof bietet Henry Paul die Freundschaft an, Henry findet Paul sympathisch. Doch zu einem weiteren Gespräche kommt es nicht. Die Polizei wartet auf Paul, den Schweiger, der so sympathisch wirkt. Uns wird auch klar, warum.

Andreas Eschbach: "Perfect Copy - Die Zweite Schöpfung"
Arena Verlag, 248 Seiten, 12.90€

"Perfect Copy" könnte ein ganz normales Jugendbuch sein. Der 15-jährige Wolfgang genießt sein Leben mehr oder weniger im beschaulichen Schwarzwald-Städtchen Schirntal. Wie ein ganz normaler Jugendlicher eben. Doch "ganz normal" ist der Roman auf alle Fälle nicht, sondern ein atemberaubender Thriller.

Wolfgang ist mittendrin im Tumult, in der Aufregung, in der "Klonomanie", wie sein Freund Cem es bezeichnet. Denn vor zwei Wochen hat der kubanische Wissenschaftler Franscuelo Aznar die Weltöffentlichkeit mit der Erklärung schockiert, vor 16 Jahren einen Menschen geklont zu haben, und zwar auf Initiative und in Zusammenarbeit mit einem deutschen Mediziner, der unbekannt und unauffindbar ist. Denn seitdem Aznar bei einem Laborunfall erblindet ist, hat er keine Chance, seinen Partner wiederzuerkennen, der schließlich die Hauptverantwortung trägt. Und nun stellt sich natürlich die Frage - in Schirntal wie auch sonstwo: Wer ist dieser deutsche Arzt? Wer ist der Klon, der ungefähr in Wolfgangs Alter ist? Hinzu kommt, dass Wolfgangs Vater Arzt an der örtlichen Krebsklinik ist und den Kubaner zur fraglichen Zeit gekannt hat. Als schließlich ein Foto von Wolfgang mit dem Titel "Ist das der deutsche Klon?" in der Presse erscheint, ist die "Klonomanie" auf ihrem Höhepunkt angelangt.

Doch nach einer Genanalyse von Wolfgang und seinem Vater ist klar, dass Wolfgang kein Klon seines Vaters ist. Jemand anderes könnte nicht in Frage kommen und die Idylle kehrt zurück - und mit ihr das Vergessen des Vorfalls. Bis Wolfgang im Schlafzimmer seiner Eltern ein Foto entdeckt, dass ihn als 12-jährigen mit seinem Cello und einem ihm unbekannten Mann zeigt. Doch - erinnern kann er sich an die Situation, an den Moment der Aufnahme nicht, geschweige denn, dass er den älteren Herrn kennt. Ein schwerer Verdacht kommt in ihm auf und noch mehr seltsame Momente machen ihn nachdenklich. Ist an der Sache mit dem Klon doch etwas dran?

Auch wenn die Story nicht jeden interessieren würde, empfehle ich, es trotzdem zu versuchen. Denn enttäuscht wird niemand, von einem der besten Jugendbücher.

Christian Linker: "RaumZeit"
DtV, 176 Seiten, 7.50€

Tim Landberg hat`s erwischt. Tim Landberg ist 16 Jahre alt. Tim Landberg muss 20 Monate Jugendstrafe absitzen. Im Knast. Im Gefängnis. Wie auch immer. Tim Landberg erlebt den Knastalltag hautnah. Sein neues Zuhause:

"Acht Quadratmeter, wie gesagt, ein Bett, ein Klo ohne Brille, ein Waschbecken, ein Tisch und ein Kleiderschrank, ein Schalter an der Wand."

Seine Kollegen: Deutsche, Russen, Türken, Polen, Araber, Libanesen, Marokkaner. Nazis, Kriminelle, Schläger, Mörder.

Sein Leben da drin: Einsamkeit, Verzweiflung. Auseinandersetzungen und Gespräche. Gedanken und Gefühle. Liebe.

Seine Liebe zu Martha, ein Mädchen von "draußen", die an einem Projekt im Gefängnis teilnimmt, führt zu neuem Lebensmut. Martha ist seine Traumfrau. Der Hafturlaub endet mit Martha in Paris, später in der Bretagne. Lebensgefühl.

"Ich will mit dir für immer leben, wenigstens in dieser einen Nacht." (Die Toten Hosen)

Tim Landberg kehrt zu spät zurück. Ihn erwartet eine Strafe, Arrest. Doch das Leben geht weiter. Auch die Liebe?

"Das Porträt eines jungen Mannes im Knast, hart und dicht an der Realität erzählt - und zugleich die Geschichte einer großen Liebe, die keine Chance zu haben scheint."

Gastartikel von unserem Partnermagazin "net-thinkers" www.net-thinkers.de


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