STUFF: September 2003  
















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GEDANKEN: DER GUTE KAMPF... allotium: 2003-08-23

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Eine Erzählung über "ihn". Vom guten Kampf des Lebens, von der Liebe und von der Macht. Was es heißt, ein Philosoph zu sein und warum man sie mit Anwälten vergleichen kann. Eine kleine Weisheit und eine Botschaft an alle, die nicht vergessen haben zu leben.


Er ist mittlerweile in der Lage zu denken. Er fühlt sich erwachsen und weiß den Unterschied zwischen Realität und Wahrheit. Realität ist die subjektive Wahrheit: Das, was und wie man die Welt um sich (auch in sich?) wahrnimmt. Daraus folgert er, dass es unendlich viele Realitäten gibt und dass eine Realität subjektiv ist. Die Wahrheit dagegen soll objektiv sein und sofern man sie überhaupt einmal zu Gesicht bekommt, würde sie allen dasselbe Gesicht zeigen. Auch weiß er, dass die abendländische Philosophie die Suche nach der Wahrheit und ebenso nach der Ewigkeit längst aufgegeben hat. Alles nur Illusion, hatte er gesagt bekommen. Die Philosophen waren für ihn Versager, weil sie es sich bequem gemacht hatten. Wie damals, dachte er sich, als Pythagoras den Begriff der Sofisterei durch die Philosophie revolutioniert und abgelöst hatte. Denn die eigentliche Philosophie (als Liebe zur Wahrheit) nannte man damals, vor etwa 2500 Jahren in Griechenland Sofisterei und der Philosoph war der Sofist. Doch wie es das Schicksal so will, und wie auch Wörter ihre schlechten Zeiten haben, geriet die Sofisterei in Verruf. Es war ein Beruf des reinen Argumentierens ohne jegliche Moralvorstellungen, Ziele, Ideale geschweige denn einer Weisheit oder (man denke und träume nicht daran) der Liebe und als Gipfel dieser Reihe als Liebe zur Weisheit. Nein, dies war es schon lange nicht mehr und deshalb kam da einer, genannt Pythagoras, den wir heute nur noch von der Schulzeit mit dem "Satz des Pythagoras" in Erinnerung haben, und dieser Mensch (ein übrigens herausragender Mystiker, Philosoph und Gläubiger) nannte sich den Philosophos. Und: Sie wurde (wieder-)geboren: Die Weisheit, bzw. die Liebe zur Weisheit. Das heißt der Weg zur Weisheit (und nicht zum wissen). Denn Wissen hat grundsätzlich nichts (aber auch nicht unbedingt nichts) mit Weisheit zu tun. Sokrates war weise, als er sagte: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Und so wusste er doch, dass er eben nichts weiß (und leider sprechen wir hier von zwei Arten des Wissens)... Aber wie auch immer.

Er war deshalb von der Philosophie enttäuscht, da die Philosophen heutzutage wie die Anwälte sind. Unsere Rechtsanwälte haben Geld im Kopf, und sie denken damit könnten sie glücklicher werden. Gerechtigkeit (das, worum es doch ginge in diesem Beruf?) wird derweil außer Acht gelassen (es geht schließlich um Wichtigeres...)

Die abendländlichen Philosophen haben keinen Hauch mehr von Weisheit (geschweige denn Liebe, ach und man träume nicht von einer so genannten Liebe zur Weisheit). Es erscheint wie der Garten Eden, von dem die meisten auch denken dass er dort existiert, wo wir niemals hinkommen. Nein, die Philosophie ist eine "Kunst" (kann man von Kunst reden? Davon war er nicht überzeugt, denn die meisten machten es grottenschlecht und hatten keine Ahnung von Ästhetik, was ja schließlich ausschlagend bei der Kunst ist), bzw. sie ist eine Methode des Argumentierens. Für welches Ziel. Welches Ideal leitet diese Menschen?

Der Mensch strebt entweder nach Macht oder Liebe. Irgendeiner aus dem Morgenland (Buddha?) sagte das einmal, und da war was Wahres dran. So genau wusste er es nicht mehr, von dem diese Weisheit kam, aber das spielt auch keine Rolle.

Nun, die Liebe wurde doch schon ausgeschlossen... Was bleibt denn übrig? Wonach streben diese Menschen? ...

Und es soll, wie die Ironie des Lebens so will (soviel wusste er auch), gerade so kommen, dass jene, welche nach Liebe streben mehr Macht bekommen und glücklicher sind (da sie letztendlich beides haben) als jene Menschen, die nach Macht aus sind, aber dafür das Unglücklichsein in Kauf nehmen müssen (und am Ende stehen sie mit viel weniger Macht da, als der Kollege mit der Liebe).

Wie gesagt, die Philosophen gab es nicht mehr. Und deshalb waren sie für Ihn Versager. Sie hatten es aufgegeben, hatten nicht gekämpft um durchzuhalten. Haben kurz vor Ihrem Ziel schlapp gemacht und sind umgekehrt. Und nun laufen sie im Kreis. Ohne je wirklich vorwärts zu kommen.

Und er weiß für sich, er will dort weiter machen, wo sie aufhörten. Und er weiß, dass der Glaube und das Vertrauen (nicht unbedingt an Gott, sondern generell an eine Sache) wahrhaftig Berge versetzen kann. Er weiß was da Jesus sagte: "Wahrlich ich sage euch, wenn ihr nur Glauben habt so viel wie ein Senfkorn und ihr sprecht zu diesem Berg: 'Hebe dich hinweg von hier', so wird er es tun. Nichts wird für euch unmöglich sein".

Und er weiß was da Buddha sagte: "Ein Mönch, der in seiner Konzentration geübt ist, kann den Himalaja spalten".

Er weiß für sich, dass er dazu bereit ist den guten Kampf zu kämpfen.

Das Leben hat Höhen und Tiefen. Und ohne Tiefen gäbe es keine Höhen. Lasst euch nicht belügen, aber vor allem belügt euch nicht selbst. Macht euch und anderen nichts vor, und glaubt an eure Träume. Kämpft mit. Kämpft den guten Kampf. Für euch und für das Leben.


Gastartikel von unserem Partnermagazin "net-thinkers" www.net-thinkers.de


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