JAM: Januar 2008  
















!MARCS young electronic magazine lebt von eurer Unterstützung! Schreibt uns eure Ideen und Gedanken! Schreibt uns eure Kritik und empfehlt uns weiter!

Eure !MARCS Redaktion
GEDICHT: DAS LETZTE KAPITEL mohan: 2003-07-12

Druckversion
XXL-Version

Erich Kästner hat 1930 ein nachdenkliches Gedicht geschrieben, das eine recht düstere Vision beschreibt. Passend zum aktuellen Geschehen in der Weltpolitik geht es um Krieg.


Am 12. Juli des Jahres 2003
lief folgender Funkspruch rund um die Erde:
daß ein Bombengeschwader der Luftpolizei
die gesamte Menschheit ausrotten werde.

Die Weltregierung, so wurde erklärt, stelle fest,
daß der Plan, endgültig Frieden zu stiften,
sich gar nicht anders verwirklichen läßt,
als alle Beteiligten zu vergiften.

Zu fliehen, wurde erklärt, habe keinen Zweck.
Nicht eine Seele dürfe am Leben bleiben.
Das neue Giftgas krieche in jedes Versteck.
Man habe nicht einmal nötig, sich selbst zu entleiben.

Am 13. Juli flogen von Boston eintausend
mit Gas und Bazillen beladene Flugzeuge fort
und vollbrachten, rund um den Globus sausend,
den von der Weltregierung befohlenen Mord.

Die Menschen krochen winselnd unter die Betten.
Sie stürzten in ihre Keller und in den Wald.
Das Gift hing gelb wie Wolken über den Städten.
Millionen Leichen lagen auf dem Asphalt.

Jeder dachte, er könne dem Tod entgehen.
Keiner entging dem Tod, und die Welt wurde leer.
Das Gift war überall. Es schlich wie auf Zehen.
Es lief die Wüsten entlang. Und es schwamm übers Meer.

Die Menschen lagen gebündelt wie faulende Garben.
Andre hingen wie Puppen zum Fenster heraus.
Die Tiere im Zoo schrien schrecklich, bevor sie starben.
Und langsam löschten die großen Hochöfen aus.

Dampfer schwankten im Meer, beladen mit Toten.
Und weder Weinen noch Lachen war mehr auf der Welt.
Die Flugzeuge irrten, mit tausend toten Piloten,
unter dem Himmel und sanken brennend ins Feld.

Jetzt hatte die Menschheit endlich erreicht, was sie wollte.
Zwar war die Methode nicht ausgesprochen human.
Die Erde war aber endlich still und zufrieden und rollte,
völlig beruhigt, ihre bekannte elliptische Bahn.


Eventuelle Zusammenhänge mit gegenwärtigen Regierungen und aktuellen Geschehnissen hat Erich Kästner 1930 sicher nicht vorhersagen können. Aber trotzdem passt das Gedicht recht gut in die gegenwärtige weltpolitische Situation. Daher findet ihr es hier und auch wenn wir den 12. Juli 2003 unbeschadet überstanden haben, die hier beschriebene düstere Vision bleibt bedrückend. Wir können nur hoffen, dass sie niemals Realität wird.


Weitere Artikel von mohan
Autorenbeschreibung von mohan


JAM | STUFF | NUTS
home | this month | guestbook | forum | archive | search
impressum | links | shop
 
ARCHIVE: ARTIKEL VON MOHAN
GEDICHT
WINTER WUNDERLAND?

Es ist Winter, es ist kalt, die Landschaft ist mit einem weißen "Zuckerguss" überzogen.

ARCHIVE: ARTIKEL VON MOHAN
GEDICHT
DIE PROGRAMME SIND FREI

In Anlehnung an das bekannte Lied "Die Gedanken sind frei" aus der Zeit der Unterdrückung der freien Meinung habe ich einen Text zu Freier Software im Internet gefunden. Um deren Zukunft sieht es in jüngster Zeit dank geplanter Einführung von Softwarepatente nicht ganz so gut aus. Ein Plädoyer für Freie Software.

ARCHIVE: ARTIKEL VON MOHAN
GEDICHT
JESUS UND STOIBER

Kann Edmund Stoiber wirklich guten Gewissens Jesus verehren? Lebt er wirklich nach seinem Vorbild. Eine Betrachtung vom "Extremliedermacher" Götz Widmann.

ARCHIVE: WEITERE ARTIKEL
Alle Artikel von mohan findest du hier.
 

© 1997 - 2019
!MARCS

electronic magazine

driven by
IBM RS/6000
and apache

Mit ICRA
gekenn-
zeichnet