JAM: Februar 2003  
















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MUSIKTIPP: PYRANJA - WURZELN & FLüGEL writyn-net: 2003-01-28

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Am 03.02.2003 erscheint das lang ersehnte Debütalbum der deutschsprachigen Rapperin Pyranja. Wer nicht weiß, wer diese Person ist oder wissen möchte, wie das erste Album der gebürtigen Rostockerin sich anhört, sollte diesen Artikel lesen.


Es gibt wohl nur wenige Künstlerinnen, die so oft in ihrer Laufbahn enttäuscht wurden wie Pyranja. Schon zweimal sollte ihr Debütalbum auf den Markt kommen, doch beide Male gingen die Plattenfirmen Pleite. Zuletzt sollte es Anfang August bei Def Jam rauskommen, jedoch schlug dies fehl. Pyranja hat nun einen neues Label gefunen: Dackel Enterprises. Sie bastelte weiter an ihren Liedern und so kommt nun am 3. Februar endgültig ihr Debütalbum in die Läden. Doch wie fing bei ihr alles an? Eine kleine Biografie..

Die gebürtige Rostockerin hat trotz ihres jungen Alters bereits einiges gesehen: Die Wende im Kindesalter, einen einjährigen USA-Aufenthalt und den Umzug in den Berliner Dschungel. Sie war stets in der Lage sich zu behaupten und ihren Kopf weit oben zu behalten. Pyranja hat sich durchgesetzt im nach wie vor stark jungslastigen HipHop-Zirkus.

"Ich hab halt schon immer Rap gehört, seit ich so 12 oder 13 Jahre alt war", beschreibt Pyranja ihre ersten Kontakte mit der Musik in Rostock. "Plattenläden gab es damals bei uns nicht, deswegen sind wir immer nach Polen gefahren um uns dort mit raubkopierten Tapes einzudecken."

Da jedoch der Übergang vom Konsumenten zum Aktivisten in keiner Kunstform derart fließend ist wie im HipHop, begann sie im Alter von 15 Jahren auch selbst das Mikro in die Hand zu nehmen und zu freestylen. Nach ersten Bühnenerfahrungen stand für sie fest, dass sie ihr Ding gefunden hatte: "Es gibt einfach nichts Größeres als das Feedback der Leute, wenn sie zum Beispiel deine Texte mitrappen oder wenn dir jemand sagt, dass er sich mit einem Track von dir identifizieren kann."

Im Jahr 2001 war Pyranja einer der großen Lichtblicke im beinahe überschwappenden Rap-Raubfischbecken. Dafür sorgte neben ihrer Performance im Rahmen des "Swingerclub" -Projektes (zusammen mit Curse, Tefla & Jaleel, DCS und Lenny) vor allem ihr beeindruckendes EP-Debut "Im Kreis" auf Def Jam Germany. Trotz (oder wegen?) eines völligen Verzichts auf die sonst "marktüblichen" musikalischen Kompromisse gelang ihr der Einstieg in die deutschen Single-Charts.

Im Februar 2002 wurde schließlich im ZDF "Will einmal bis zur Sonne gehen...", ein Dokumentarfilm über Frauen im HipHop-Business ausgestrahlt, in dem Pyranja's bisherige Karriere neben denen von Cora E. und BRIXX beleuchtet wurde. Auch vor der Kamera gelang es ihr mit ihrer unverkrampften und natürlichen Art zu überzeugen.

Pyranja's Fähigkeit ehrlich zu texten und emotional zu rappen, spricht für sich. Einen "Lady-Bonus" hatte sie nie nötig. Die Wahlberlinerin ist es vielmehr gewohnt sich durchzusetzen und zu nehmen, was sie braucht.

Nun erscheint also mit "Wurzeln und Flügel" ihr erstes Album. Und der Titel bleibt Konzept: Pyranja versteht es mit ihren poetischen und bildhaften Texten sowohl ihre persönlichen-, als auch die Wurzeln ihrer Subkultur zu beschreiben. So reduziert sich das Klangbild des Albums auf teils zurückgenommen-abstrakte, teils hart bouncende Beats und reimtechnisch ausgereifte, energetische Raps; in anderen Worten: auf das Wesentliche der Kunstform Rap.

Ich persönlich bin nicht der größte Fan von deutschem Rap bzw. HipHop. Jedoch sind einige Nummern des Albums auch in meinen Augen sehr gelungen, wie z.B. "4 Elemente", "Erweiterte Suche" oder "Gegensätze". Die meisten Songs sind etwas ruhiger und besinnlicher angelegt, aber trotzdem nicht langweilig. Einige Tracks hören sich ähnlich an, aber sind trotzdem nicht gleich, denn Pyranja schafft es, mit ihren Texten Abwechslung reinzumachen, jedoch sind die Beats wohl nicht jedermanns Sache. Insgesamt konnte Pyranja zudem fünf weitere Interpreten gewinnen, die mit ihr gemeinsam auf der Platte einen Track haben.

Fazit: Pyranja's erstes Album "Wurzeln und Flügel" ist für jeden Fan des deutschen Raps ein Muss. Wer von Rap bisher noch nicht so angetan war, sollte vielleicht auch mal reinhören, denn einige Tracks des Albums sind sehr gelungen.

Eine Hörprobe gibts hier.
Weitere Infos:
pyranja.net
dackel-enterprise.de


Gastartikel von unserem Partnermagazin "net-thinkers" www.net-thinkers.de


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