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REPORTAGE: SIND DAS WIRKLICH WILDE? kirschi: 2002-10-19

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Ein Krieg gegen den Irak scheint unabwendbar, doch wie geht es der Zivilbevölkerung dort? Wie leben irakische Jugendliche, welche Träume, welche Wünsche und welche Gesprächsthemen und Gedanken haben sie?


Riad ist Künstler. Wie auch seine Schulkollegen sehnt sich der 18-jährige Kunststudent nach einem offeneren, glücklicheren Leben, doch als unter den Sanktionen der UNO lebender Iraker wird ihm das kaum möglich sein.

Der Irak hat durch die 1991 nach dem Golfkrieg beschlossenen Sanktionen der Vereinten Nationen schweren wirtschaftlichen Schaden erlitten, der sich vor allem auf die normale Zivilbevölkerung auswirkt. Während sich der Diktator Saddam Hussein, dessen Konterfeis und Porträts überall in der Stadt zu sehen sind, aufgrund des UNO-Programms "Öl für Nahrung" ein wohlhabendes Leben leisten kann, hungern viele seine Untertanen, und doch ist die Zustimmung für den "größten Verbrecher der Neuzeit" - wie ihn die USA (zurecht) bezeichnen - ungebrochen hoch.

Wie auch seine Kollegen ist Riad überzeugt, wer die Schuld am Leid der Menschen trägt: "Die USA sind schuld. Sie haben uns unsere Zukunft komplett zerstört!".

Obwohl viele Menschen ums Überleben kämpfen, hat sich eine arme Mittelschicht im Irak gebildet, deren Leben dem unserem gar nicht so verschieden ist. Sie feiern - natürlich nur zum Geburtstag des Präsidenten, doch dann wird "ordentlich getanzt und gefeiert, so wie sich das eben gehört" - sie sind an Kunst interessiert, sie besuchen Schulen und Universitäten.

Farid studiert gerade Französisch. Sie ist eine der wenigen, die an der französischen Universität - einer Reliquie aus der französischen Kolonialherrschaft - die Gelegenheit bekommt, ihre Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern, um später einmal die Chance auf einen zukunftsweisenden Job zu erhalten. Am Abend, nachdem die strebsame Studentin ihre Hausaufgaben erledigt hat, geht sie oft auf den Rummelplatz. Ganz ohne Schleier bekleidet trifft sie ihre männlichen Schulkollegen dort und steigt in die Achterbahn ein.

Gefragt von einer ARTE-Reporterin, ob er sich vorstellen könnte, mit einem Mädchen einen der raubkopierten amerikanischen Actionfilme anzuschauen, antwortete Riad, der gerade mit seinen Freunden ein neues Videospiel begutachtet, "nur mit einer verheirateten Frau". Denn der islamische Glaube, den Riad tagtäglich mehrmals in den Gebeten praktiziert, steht bei ihm ganz oben. Der Schleier diene nur dem Schutz - ein Zeichen, dass eine Frau bereits vergeben sei und andere Männer "die Hände von ihr zu lassen" hätten.

Insgesamt zeichnet sich durch die Reportage auf ARTE ein klares Bild von der irakischen Jugend: Hier steckt viel Potenzial dahinter - und die Menschen im Irak sind nicht die "Wilden", sondern haben die gleichen Wünsche, Bedürfnisse und einen ähnlichen, zwar maßgeblich beschnittenen, Lebensablauf. Die Befreiung von ihrem Diktator darf nicht zulasten der Bevölkerung gehen, denn dann würde sich die westliche Welt jegliche Chancen auf einen vernünftigen Dialog verbauen.


Gastartikel von unserem Partnermagazin "net-thinkers" (www.net-thinkers.de)


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