STUFF: November 2002  
















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RüCKBLICK: ES WAR VOR ZEHN JAHREN mohan: 2002-10-11

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1992 war das Jahr in dem sich die Fratze des hässlichen Deutschen offenbarte. Ayslbewerberunterkünfte brannten und die Anwohner applaudierten. Doch es gab auch "andere" Deutsche, sie setzten z.B. in Köln bei einer Kundgebung ein Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit.


Ja, zehn Jahre ist schon lange her. Kaum einer erinnert sich noch an die Anschläge auf Ayslbewerberheime, die Menschen, die durch rechte Gewalt ums Leben kamen. Besonders im Ausland kam das Bild des hässlichen Deutschen wieder zum Vorschein, der Geist von Hitler und Co. schien gesellschaftsfähig zu werden. Viele schauten weg, wenn irgendwo der rechte Mob tobte oder sie applaudierten sogar.

Auch beim meinem Besuch in Rostock erinnerte im Stadtteil Lichtenhagen nichts mehr an jene Ereignisse im August 1992, deren Bilder insbesondere die der applaudierenden Anwohner, um die Welt gingen. Es ist eine von vielen Plattenbausiedlungen in der ehemaligen DDR mit teils renovierten Häusern. Etwas brachte mich dann doch nach 1992 zurück (zumindest in Gedanken). In der S-Bahn saßen mehrere Arbeitslose und tranken ihren Alkohol und rauchten. Der jüngste von ihnen war unverkennbar ein Sympathisant der rechten Szene (kurzes Haar, typische Klamotten, Stiefel). Sie haben sich außer gegenüber dem Bahnpersonal friedlich verhalten, ich fühlte mich nicht unwohl oder wurde angepöbelt. Aber ich glaube, sie wären 1992 bei den Randalen vor dem Asylbewerberheim sicher dabei gewesen.

Zurück nach 1992, nicht alle wollten tatenlos zusehen, wie das braune Gedankengut sich ausbreitete. Es gab zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen, die zeigten, dass es auch ein anderes, tolerantes Deutschland gab. Eine große Kundgebung unter dem Motto "Arsch huh, Zeng ussenander" (Arsch hoch, Zähne auseinander) fand in Köln am Jahrestag der Reichskristallnacht (9.11.1938) statt, dem Tag, an dem im Deutschen Reich die Synagogen brannten und der Terror gegen die Juden offen an den Tag trat. Etwa 100.000 Menschen waren damals bei der Veranstaltung. Geboten wurde eine bunte Mischung aus Text- und Musikbeiträgen. Als Höhepunkt sang am Ende der Chor Triviatas die Kinderhymne von Berthold Brecht. Er schrieb den Text zur Melodie des Kaiserwalzers (Melodie des Deutschlandlieds).

Anmut sparet nicht noch Mühe,
Leidenschaft nicht noch Verstand,
dass ein gutes Deutschland blühe
wie ein andres gutes Land.

Dass die Völker nicht erbleichen
wie vor einer Räuberin,
sondern ihre Hände reichen,
uns wie andern Völkern hin.

Und nicht über und nicht unter
andern Völkern wolln wir sein
von der See bis zu den Alpen,
von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern,
lieben und beschirmen wir's,
und das Liebste mag's uns scheinen,
so wie andern Völkern ihrs.

Das Ganze zum anhören.


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