JAM: Mai 2002  
















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REPORTAGE: ALTE INDISCHE KöNIGSTADT UND EXPERIMENTIERFELD FüR ARCHITEKTUR mohan: 2002-04-05

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Im Rahmen meiner kleinen Indienreihe komme ich diesmal zum "klassischen, alten Indien". In Badami und Pattadakkal besuchten wir zwei alte Tempelstädte. Das war dann eher das Indien für den Liebhalter alter Gemäuer. Aber keine Angst, es folgt keine langweilige Abhandlung über die Tempelbaukunst. Denn auch die Orte hatten durchaus ihren Reiz. Sie sind ja schließlich keine Freilichtmuseen, sondern werden von Menschen bewohnt.


Die Orte Badami und Pattadakkal erinnerten an Städte in Südeuropa, es gab verwinkelte Gassen und flachgedeckte Steinhäuser mit Dachterassen. Zwischen den Häusern waren hin und wieder auch Tierställe. Dadurch wirkten die Orte sehr ländlich. Wären da nicht die alten Tempel aus dem 6. bis 8. Jahrhundert und die dunkelhäutigeren Menschen gewesen, wir hätten wirklich in Südeuropa sein können.

Ich denke jetzt sind doch ein paar Sätze zu Badami und Pattadakkal angesagt. Keine Angst wird nicht lang. Also denn mal los. Badami war vom 6. bis 8. Jahrhundert die Hauptstadt der Chalukyas, die große Teile Südindiens beherrschten. Sie entwickelten eine hohe Kultur und ihre Armeen galten als unbesiegbar. Pattadakkal war ihr Krönungsort, hier sollte die göttliche Abstammung der Könige unterstrichen werden. Das besondere an diesem Ort ist, dass es sich um ein Experimentierfeld für die spätere Architektur handelt.

Heute sind beides eher verschlafene Orte, an ihre einstige Bedeutung erinnern nur noch die Tempel und Reste der Festung in Badami erhalten. Aber die UNESCO hat die Bedeutung der Orte erkannt und die Höhlentempel in Badami und die Tempelanlage in Pattadakkal zum Weltkulturerbe erklärt.

Trotzdem oder auch glücklicherweise sind die beiden Orte noch nicht so im großen Interesse des Massentourismus, denn wir waren fast die einzigen Europäer. Gut ich muss noch erwähnen, dass wir außerhalb der Saison dort waren. Die Menschen waren nicht so aufdringlich wie in den Touristenzentren, aber teilweise schon etwas nerviger als z.B. in Nagpur. Daran merkten wir doch, dass schon häufiger Touristen hierher kommen, sie sind teilweise schon etwas von reicheren Touristen "verdorben". Aber im großen und ganzen konnten wir ungestört rumlaufen.

Jetzt muss ich doch endlich mal was zu den alten Gemäuern schreiben, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe geadelt wurden. Ich mit Badami an, das wir zuerst besucht hatten. Der Ort liegt an einem künstlich angelegten See zwischen zwei Anhöhen. Auf diesen befinden sich jeweils die Reste eines alten Forts. Wir besuchten zunächst die Höhlentempel und hatten erstmal einen Schock. Wir mussten 10,- $ (!) Eintritt zahlen. Ja richtig gelesen, ganz schön teuer. Die indische Regierung hat 2000 die Eintrittsgelder für ausländische Touristen drastig erhöht. Da die vier Höhlentempel UNESCO Weltkulturerbe sind, war der Eintritt wohl besonders teuer.

Trotzdem, das ganze hat sich schon gelohnt. Die Höhlen waren alle äußerst sehenswert. Sie waren reich verziert und man erkannte auch noch die Reste der früheren Ausmalung. Die Tempelhöhlen boten einen guten Einblick in die Mythologie des Hinduismus und des Jainismus. Ein Tempel war Shiva und zwei Vishnu geweiht, die vierte Höhle war ein Jaintempel. Ein fachkundiger Führer erklärte uns die verschiedenen Darstellungen. Schon interessant, diese ganze Geschichten aus der Hindumythologie, aber sie sind auch wichtig, um das Land und seine Menschen verstehen zu können.

Anschließend schlenderten wir durch den Ort. Direkt unterhalb der Höhlentempel war eine Moschee aus dem 17. Jahrhundert. Ja, in dem Ort leben heute Hindus und Muslime friedlich zusammen. Nichts mit Krawallen wie z.B. in Gujarat. In dem Ort waren noch einige alte Tempel aus der Chalukyazeit erhalten geblieben. Bei einigen Tempel am Ufer des Sees hatten wir eine "Privatführung" von einigen Kindern. War auch ein tolles Erlebnis, die drei wollten dann noch etwas Geld für ihre Dienste. War aber nicht sehr viel und außerdem haben sie uns viel erzählt auch über den Hinduismus.

In Pattadakkal waren die Tempel in einem Gelände vor dem Ort. Daher bekamen wir vom Ort nicht viel zu sehen. Auch hier mussten wir wieder 10,- $ berappen, wegen UNESCO Weltkulturerbe. Aber hier gingen aber nicht alle rein, auf die Dauer geht das auch ganz schön ins Geld. Wie schon erwähnt war die ganze Anlage ein Experimentierfeld für die Tempelarchitektur in Südindien. Alle Tempel waren Shiva geweiht, was der kundige Reisende sofort an den Nandifiguren vor dem Haupteingang der Tempel erkennen konnte. Nandi ist ein Stier und das Reittier von Shiva.

Ein Tempel war noch in Gebrauch, in allen anderen waren die Götterbilder zerstört und somit die Tempel entweiht. Im Hinduismus werden einmal entweihte Tempel nicht mehr wieder geweiht. Wenn sie entweiht sind, dürfen die Menschen sie auch als Steinbruch verwenden, was dann auch geschehen ist.

Jetzt bin ich am Ende meiner Ausführungen. Insgesamt war es ein interessanter Besuch, wir bekamen einen guten Einblick in das alte Indien. Der einzige Wermutstropfen waren halt die überteuerten Eintrittspreise. Sie sind aber wieder gesenkt worden, es gab wohl einige Proteste dagegen. Auch beim nächsten Mal bleibe ich noch im alten hinduistischen Indien, nur nicht ganz so alt (14. bis 16. Jahrhundert). Wir besuchten das sagenumwogene Vijayanagara, die Stadt der Sieger. Heute allerdings nur noch ein unbedeutender Ort (Hampi).


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