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REPORTAGE: EUROPAS JUDEN IM MITTELALTER mohan: 2004-12-28

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Zum 900. Jahrestag der Weihe der Speyerer Synagoge findet im Historischen Museum der Pfalz in Speyer die Austellung "Europas Juden im Mittelalter" statt. Erstmals wird der mitteleuropäische und der iberische Kulturkreis in einer Ausstellung präsentiert.


Speyer, Worms und Mainz waren als sogenannte "SchUM-Gemeinden" die Zentren des jüdischen Lebens im Mittelalter in Mitteleuropa. In diesen Städten gibt es nicht nur einen romanischen Dom, sondern es gab einflussreiche jüdische Gemeinden. Aus Anlass der 900. Wiederkehr der Weihe der Speyerer Synagoge wirft das Historische Museum der Pfalz einen Blick auf das jüdische Leben im Mittelalter. Das größte Exponat ist nicht im Museum, sondern ein Paar Meter entfernt davon. Die Ruine der mittelalterlichen Synaogoge und das Judenbad (Mikwe) wurden in das Konzept eingebunden. Sie ist der älteste erhaltene Rest einer mittelalterlichen Synagoge nördllich der Alpen. Die Mikwe ist das größte erhaltene Ritualbad aus dem Mittelalter. Gründe genug die Ausstellung über die Juden in Europa im Mittelalter nach Speyer zu holen. Auch das benachbarte Worms mit der einzigen erhaltenen mittelalterlichen Synagoge in Deutschland und dem ältesten jüdischen Friedhof in Europa (ältester Grabstein 1076/77) ist vertreten.

Die Ausstellung stellt das jüdische Leben im Mittelalter in allen Aspekten anschaulich dar. Zu Beginn der Ausstellung tritt man in die Speyerer Synagoge ein. Die erhaltenen Westfenster wurden ebenso integriert wie Erkenntnisse über die Bima (Vorlesepult für die Thora). Höhepunkt ist sicher die 3D-Rekonstruktion der mittelalterlichen Synagoge in Speyer von der TU Darmstadt. Sie führt recht anschaulich in die Welt der Judengemeinde im Mittelalter. In einem Raum wird der Film "Der brennende Dornbusch" gezeigt, in dem es um den berühmten Gelehrten Raschi und seine Zeit geht. Raschi studierte in Worms und war ein angesehener Talmudgelehrter. Daneben werden alte Handschriften, Kultgegenstände und Archtitekturfragmente gezeigt.

Einen breiten Raum nimmt die Darstellung des Alltags in den beiden Kulturkreisen Aschkenas (Mitteleuropa) und Sepharad (Iberische Halbinsel) ein. Erstmals werden diese in einer Ausstellung zusammen präsentiert. Wie lebten sie, welche Berufe übten sie aus. Auch die Beiträge der Juden zu Wissenschaft und Kultur finden ihren Platz in der Ausstellung. Die werden u.a. anhand von Handschriften oder einer Apotheke anschaulisch gemacht. Der jüdische Jahreskreis mit seinen Festen wird zum Schluss der Ausstellung vorgestellt. Sie werden auch heute noch so gefeiert wie im Mittelalter. Damit hat die Ausstellung einen Bezug zur Gegenwart geschaffen.

Auch das dunkle Kapitel der Verfolgungen und Vertreibungen im Mittelalter wurde nicht ausgeblendet. So wurden während der Kreuzzüge und nach der Pest vieler Orts jüdische Gemeinden und Einrichtungen zerstört und Juden umgebracht. Das Leben der Juden unterlag Einschränkungen. So durften sie z.B. in Mitteleuropa keinen Handwerksberuf ausüben oder nur in bestimmten Vierteln wohnen. Im späten 15. Jahrhundert wurden viele Juden von der iberischen Halbinsel und Mitteleuropa vertrieben. Sie zogen meist nach Osteuropa oder Italien, wo ihre Kultur weiterlebte.

Wer sich einen Einblick in die jüdische Kultur und den Alltag der Menschen verschaffen oder deren Beiträge zur mittelalterlichen Wirtschaft und Wissenschaft kennenlernen will, der ist bei der Ausstellung "Europas Juden im Mittelalter" gut aufgehoben. Auch wer noch unentschlossen ist, ein Besuch lohnt sich. Geöffnet ist die Ausstellung noch bis zum 20. März 2005. Weitere Informationen findet ihr auf den Seiten des Historischen Museums der Pfalz: www.museum.speyer.de


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