JAM: Mai 2004  
















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SONSTIGE: LIEGEN LERNEN lookout: 2004-11-14

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Was Thomas Brussig als Kultautor über den Osten schreibt, über die Liebe und das Leben am kürzeren Ende der Sonnenallee, das erzählt Frank Goosen in "Liegen lernen" über die 80er Jahre im Westen ... weiterlesen...


...aus der Sicht des 18-jährigen Helmut, der sich mit Mühe und Not durch das Wirrwarr auf der Oberstufe eines Gymnasiums schlägt, Eltern hat, die nach Blumenkohl riechen und nicht miteinander reden und der in die Schulsprecherin Britta verliebt ist. Wobei wir beim Hauptanliegen des sympathischen Erzählers wären: der Liebe.

Als Gegenteil zu seinem Freund Mücke, dessen Hauptwortschatz aus "ficken" und "Arschloch" besteht, ist er der schüchterne und nette Junge von nebenan und wird der Freund der "wilden" Britta, die sich gegen Atomkraft und in einer Nicaraguagruppe engagiert und Eltern hat, die sehr viel miteinander reden – auch körperlich. Helmut liebt das Leben bis Britta in die USA zum Austausch geht – und nicht mehr zurückkommt. Das erste Kapitel ist beendet. Und ich lese weiter.

Helmut ist nun 20 und studiert Geschichte und Politik in Berlin. Seine alten Freunde hat er nicht mehr, aber Beck, ein Student, der "nach was aussieht" und redet wie der Bundeskanzler. Er ist wieder auf der Suche nach der großen Liebe, oder besser gesagt , nach Ersatz für Britta. Den findet er zwar nicht, aber Gisela, die er noch aus der Schulzeit kennt, ist in Ordnung. Etwas langweilig, aber sehr nett. Und sie studiert Medizin. Er zieht zu ihr in die WG aber auch bald wieder aus, nachdem er mit Mitbewohnerein Barbara schläft. War wohl nichts.

Er studiert also weiter und arbeitet nebenbei in einem Parkhaus. Das ist sein Leben, bis ihm Gloria am Parkhausschalter begegnet. Um einige Jahre älter, aber feurig und einfach scharf, verfällt er der reichen Sportjournalistin und zieht zu ihr. So schnell und gedankenlos, wie ihre Beziehung begann, geht sie aber auch wieder in die Brüche. Gloria ist zu scharf für ihn, vielleicht auch zu sexistisch. Schließlich ist er der schüchterne und nette Junge von nebenan.

Er studiert also weiter, arbeitet aber nicht mehr im Parkhaus. "Junge, ach Junge, manchmal möchte ich wirklich wissen, was du eigentlich willst." Das ist das einzige, was seine Blumenkohl-Mutter noch zu ihm sagen kann.

Die Uni wird sein zweites Zuhause und er ist gut. Als Null kann er nicht mehr durchgehen und nimmt eine Assistentenstelle am Institut an – und trifft auf die amerikanische Dozentin Roberta Appleman, die gut küssen kann. Er ist 23, sie 41 und er zieht zu ihr, bis ein Anruf von seinem Schulfreund Mücke kommt. Er hat Britta gesehen. Und sie sei immer noch "geil" und gut zum "Ficken". Mücke ist noch der alte und Helmut fährt zurück in die Heimat. Die Mauer gibt es mittlerweile auch nicht mehr. Und Helmut trifft auf Britta und bleibt erst einmal 2 Wochen. Und länger. Er hat Britta wieder, doch verliert sie auch wieder. Sie ist immer noch "wild" und lässt ihn sitzen. Er ist zwar "süß", aber ... zu weich.

Helmut macht sich ernsthaft Gedanken. Das zweite Kapitel ist beendet. Ich lese weiter.

Helmut ist zurück am Lehrstuhl, Mitte Zwanzig, verdient Geld, ist konsequent und hart in seiner Arbeit. Die Neunziger Jahre sind angebrochen mit Essen auf Rädern, die Scheidung seiner Eltern, dem Internetzeitalter und Talkshows. Und Helmut trifft auf Tina, eine Steuerberaterin , die das nette Mädchen von nebenan ist. Und er verliebt sich in sie. Aber er ist immer noch jung und noch nicht ernsthaft genug und schläft mit einer seiner Studentinnen, die 1,90m groß ist. Tina erfährt davon und stellt ihn vor eine Bedingung: Kind und Heirat oder du gehst. Schließlich leben sie schon seit 2 Jahren zusammen.

Helmut unternimmt eine Reise zurück in seine Vergangenheit. Durch Deutschland. Seine Ziele: Gisela, Gloria und Roberta. Und er findet sie und stellt jeden von ihnen dieselbe Frage: "Warum warst du damals mit mir zusammen"? und erhält dieselbe Antwort: Er sei eben der schüchterne und nette Junge von nebenan gewesen. Und "naja...weich".

Seine ernüchternde Erkenntnis: "Von den drei Frauen, mit denen ich zusammengewesen war, war eine fett geworden, eine lesbisch und eine lebte mit fünfzig immer noch allein. Ich hatte ganze Arbeit geleistet".

Und so erzählt Helmut rückblickend sein Leben als Suche nach der einzigen Frau, die ihm etwas bedeutet hat, während seine amourösen Abenteuer ihn in Wirklichkeit kalt ließen. Am Ende des dritten Kapitels ist er 33. Und hat liegen gelernt.

Und wie es der begeisterte Leser so will, wurde der 2000-Bestseller verfilmt – auf 90min. mit den besten Nachwuchsdarstellern (Florian Lukas aus "Good - bye, Lenin" oder Tino Mewes aus "Fickende Fische"). "Liegen lernen" ist Kult!

Gastartikel von unserem Partnermagazin "net-thinkers" www.net-thinkers.de


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