STUFF: November 2004  
















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REPORTAGE: ZIGARETTENLäDEN OHNE ENDE UND DIE SUCHE NACH EINER KNEIPE mohan: 2004-10-21

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Neulich war ich geschäftlich in Frankfurt an der Oder. Dabei nutzte ich mit einem Kollegen die Gelegenheit zu einem Spaziergang über die Oder nach Slubice. Einige meiner Eindrücke habe ich hier niedergeschrieben.


1945 fing alles an, eigentlich schon 1933 mit der Machtergreifung Hitlers. Die Oder wurde als Ergebnis der Konferenz von Potsdam zur neuen deutschen Ostgrenze und alle Deutschen rechts davon vertrieben. Aus der Dammvorstadt Frankfurts wurde die eigenständige polnische Stadt Slubice. In deren Zentrum waren ähnlich wie bei den anderen Vororten Frankfurt noch viele alte Gebäude aus der Zeit des Kaiserreichs erhalten. Äußerlich unterschied sich die Stadt nicht von ihrer großen Schwester in Deutschland. Nur die polnische Schrift wies uns darauf hin, dass wir in Polen waren.

Jetzt bin ich doch schon mitten in Slubice. Fange ich nocheinmal von vorne an. Mein Kollege und ich gingen zu Fuß über die Oder in die Stadt. Die Grenzkontrollen an der Brücke waren unkompliziert und schnell erledigt. Ein gültiger Persoinalausweis reichte. Dann betraten wir Polen. Willkommen im Reich der billigen Produkte. Auf der Brücke stauten sich die Autos zur Ausreise aus Polen. Die meisten hatten wohl billigen Sprit getankt. In Slubice war er um etwa 30 Cent billiger als in Deutschland. Da lohnt es sich trotz wartens an der Grenze ein Trip nach Slubice. Auch die Raucher kommen voll auf ihre Kosten. In der Fußgängerzone reihten sich Zigarettenläden aneinander. Es gab Glimmstengel in Stangen und als einzelnen Packungen. Auch einige Lebensmittelläden mischten sich dazwischen.

Doch das interssierte uns wenig. Wir wollten uns ein wenig umsehen. Und was wir so zu sehen bekamen, war durchaus ansehbar. Schön renovierte Altbauten, gepflegte Grünanlagen. Selbst die WOhnblocks aus der Nachkriegszeit waren in einem guten Zustand. Keine Anzeichen von Verfall, von einem heruntergekommen Polen, das jahrzehnte der Entwicklung im Westen hinterherhinkt. Das Ambiente hätte auch in jeder deutschen Stadt sein können. Wie schon geschrieben, nur die polnische Schrift wies uns darauf hin, dass wir in Polen waren.

Auf unserem Weg machten wir uns auf die Suche nach einem Supermarkt. Mein Kollege wollte noch einige polnische Waren kaufen. Jetzt tauchte die Frage auf, Geld tauschen oder hoffen, dass es auch mit Euro geht. Wir hofften auf letzteres und hatten Glück. So wechselten einige Dosen Bier und Konserven den Besitzer. Zwei davon tranken wir am Oderdeich sitzend. Als wir da so saßen, kam eine Gruppe Jungen im Alter von etwa zwölf auf uns zu. Sie wollten von uns Bier haben, aber zogen dann schnell ab, als wir uns hartnäckig weigerten. Die Jungs wollten uns auch Zigaretten verkaufen. Als Nichtraucher lehnten wir jedoch ab.

Irgendwann machte sich auch der Hunger bemerkbar und wir suchten ein Restaurant. Doch wir fanden kein offenes. Also kauften wir in einem Lebensmittelladen Wurst und Brot und aßen dies ebenfalls auf einer Bank am Oderdeich mit Blick auf Frankfurt. Danach suchten wir eine Kneipe und wurden nach längerer Suche bei einem Irish Pub fündig. Schon seltsam, zwei Deutsche gehen in Polen in ein Irish Pub. Aber dies war eben die einzige Kneipe, die offen hatte und vernünftig aussah. Innen sah sie aus wie solche Pubs bei uns auch. Im Hintergrund lief hier Rockmusik. Wir setzten uns an die Bar und tranken polnisches Bier, irisches gab es nicht. Dafür gab es andere Getränke von der grünen Insel. Zum Abschluss des gelungenen Abends trank ich stilgerecht noch einen guten irischen Whiskey. Damit klang der Besuch in Slubice aus. Wir machten uns wieder auf den Weg zurück nach Frankfurt. Dort ging unser Zug durch die Nacht weiter. Am Oderufer trafen wir auf eine Gruppe Jugendlicher aus der links-alternative Szene. Das Abenteuer ging weiter...


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