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AUSGABE: März 2003

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Rubrik: STUFF

KURZGESCHICHTE: Hans im Glück

Neulich in der Cafeteria. Das Gespräch ging um alte Gemälde.


Mittagsessenszeit in der Cafeteria. Ich unterhalte mich mit einem jüngeren Kollegen. Wir reden über eine Bilderausstellung in einer Galerie. Ein rötlichblonder Typ, mittelgroß kräftig gebaut, sitzt ebenfalls an unserem Tisch. Ich kenne ihn vom Sehen her. Er ist Techniker im Hause. Er hat anscheinend unser Gespräch verfolgt und rückt näher heran.

"Ei, ich ha auch emol ä Bild gehatt." Er spricht vorderpfälzisch-hinterpfälzisch mit Hochdeutsch gemischt.

"Was für ein Bild?", frage ich.
"Do waren so Pflanzen druff abgemalt."
"Haben Sie es in einem Geschäft gekauft?"

"Nä, ich habs gefunne. Ich hab eine Garage gemietet. Da drinnen stand eine ganz vergammelte Kommode. Die war mir im Weg. Wie ich sie auseinander nemm, fällt aus einer doppelten Rückwand des Bild raus. Ich hab überall gefragt, wem des Bild gehört. Niemand hat es gewisst. Da kam einer aus Schlauberg und hat mir fünfzehnhundert Mark dafür gebb. Ich hab das Geld gebraucht, weil ich gerade geschieden wurde. Ich war als Monteur die ganz Woch fort. Des hot net gut getan."

"War am unteren Bildrand der Name des Malers zu lesen?"
"Da stand Friedrich drunter."
"Ah dann war das Bild von dem Schwetzinger Maler Friedrich?"
"Davor waren noch zwei Namen, Casper David."
Ich musste tief Luft holen.
"Da hat der Mann aus Schlauberg aber ein gutes Geschäft geamcht:"

Autor: heinz danner
Erstellt am: 2003-02-28



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