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AUSGABE: Februar 2002

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Rubrik: JAM

BUCHTIPP: Kurt Piehl - Latscher, Pimpfe und Gestapo

"Latscher, Pimpfe und Gestapo" erzählt die Geschichte eines Edelweißpiraten. Darin geht es um eine fast vergessene Widerstandsbewegung Jugendlicher gegen die Nazidiktatur.


Denkt man an Widerstand gegen die Nazis, dann fällt den meisten die Attentäter vom 20. Juli 1944 ein. Kommt man auf Jugendliche zu sprechen, dann fällt einem höchstens noch die Weiße Rose ein, eine Widerstandsgruppe von Studenten an der Uni München, die sechs Flugblätter verteilten und 1943 alle hingerichtet wurden.

Soll es da aber noch mehr junge Menschen gegeben haben, die sich den Zwängen der NS-Herrschaft insbesondere der HJ (Hitler Jugend) und des BDM (Bund Deutscher Mädel) entzogen haben? Darüber lernen wir in der Schule nichts, leider. Das ist schade, denn gerade für Jugendliche ist es wichtig zu lernen, dass es junge Menschen gab, die nicht bei HJ oder BDM im Gleichschritt mitmarschierten, sondern versuchten sich ihre Freiräume zu erhalten.

Eine solche Gruppe waren die Edelweißpiraten, ihre Mitglieder waren überwiegend Arbeiterjugendliche im Alter zwischen 14 und 17. Sie verweigerten sich der HJ und stritten sich auch mit ihnen. Sie halfen auch Zwangsarbeitern oder Juden. Daher gerieten sie oft mit der Gestapo in Konflikt. Verhaftungen und Folter waren da an der Tagesordnung.

Genug der Vorrede, jetzt komme ich endlich zu dem Buch, das ich hier bespreche, es heißt, wie die Überschrift schon sagt "Latscher, Pimpfe und Gestapo". Darin wird die Geschichte eines Edelweißpraten erzählt, die Autobiographie des Autors. In jugendlicher Sprache erzählt Kurt Piehl über das Leben der Edelweißpiraten in Dortmund zwischen Bombenkrieg, Streitereien mit der HJ und Verhaftung durch die Gestapo.

Das Buch ist ein einzigartiges Dokument, das gerade Jugendlichen einen Zugang zu den Tagen des Nationalsozialismus eröffnet. Es ist ein Buch, das in seiner Direktheit tiefer und nachhaltiger wirkt als so manche gut gemeinte antifaschistische Informations- und Aufklärungsschrift. Kurt Piehl schafft einen sehr gelungenen Einblick in eine jugendliche Widerstandsgruppe und zeigt damit, dass eben nicht alle im Gleichschritt marschiert sind. Er zeigt aber auch, dass das ganze nicht so einfach war und schon etwas Mut erforderte.

Damit komme ich zum Schluss und empfehle das Buch wirklich allen, die sich mal darüber informieren wollen, wie Jugendliche dem Naziterror Widerstand geleistet haben. Gerade die lockere jugendliche Sprache macht "Latscher, Pimpfe und Gestapo" äußerst lesenswert.

Für alle Interessierten hier die Daten zum Buch:

Latscher, Pimpfe und Gestapo
Kurt Piehl
Brandes und Apsel
ISBN: 3925798870

Autor: mohan
Erstellt am: 2002-01-24



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